Ziele Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppe

Wir sind Betroffene von sexuellen Übergriffen durch Priester,  Ordensleute und anderen kirchlichen Mitarbeitenden.

Wen sprechen wir an?

Unsere Selbsthilfegruppe richtet sich an direkt betroffene Frauen und Männer, welche sexuellen Missbrauch im kirchlichen Umfeld erlebt haben.

Sie sind Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester oder Ordensleute.
Sie möchten sich mit anderen Betroffenen austauschen.
Sie suchen vor allem nach weiteren Verarbeitungsschritten.

Wenn dies für Sie zutreffend ist, möchten wir Sie aufmuntern, Kontakt mit unserer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass dieser Schritt Ihnen vermutlich einiges an Mut und Überwindung abverlangt.

Die Selbsthilfegruppe für Menschen, die in der Kindheit/Jugend und im Erwachsenenalter sexuelle und spirituelle Gewalt im kirchlichen Umfeld erlebt haben bietet einen Begegnungsort für Betroffene. In einem geschützten Rahmen und im gegenseitigen Vertrauen tauschen wir uns über unsere belastenden und oft sehr schmerzvollen Erinnerungen aus der Vergangenheit aus und sprechen über unsere Erfahrungen in der aktuellen Lebenssituation. Innerhalb der Selbsthilfegruppe wollen wir die Auswirkungen des erlittenen Missbrauchs auf unser heutiges Leben als Erwachsene aussprechen und verarbeiten. Wir suchen gemeinsam nach Lösungswegen für mögliche Verarbeitungsschritte.

Betroffene haben viele Fragen

Betroffene beschäftigen sich mit vielen ungelösten Fragen und hätten gerne Antworten darauf. Fragen können jederzeit in die Gruppe eingebracht werden. Diese werden gesammelt und zu gegebener Zeit gemeinsam besprochen. Die Gruppe bestimmt jeweils, welche Themen beim nächsten Gruppentreffen behandelt werden. Stichworte aus dem aktuellen Themenspeicher sind:

  • Erstmaliges Aussprechen – Wann, Anlass, Ergebnis? Was war das Schwierigste dabei?
  • Erinnerungslücken – Therapieerfahrungen zum Thema Amnesie und Dissoziation?
  • Verarbeitungsprozess – Was hat am meisten geholfen oder hilft immer noch?
  • Zukunft – Wie Verarbeitung fortsetzen und Frieden zu finden?
  • Klagen bzw. Meldungen an Instanzen – Konkrete Hilfestellungen erhalten, mit welchen Ergebnissen?
  • Ständiges erklären müssen – Warum so lange geschwiegen?
  • Kirchenaustritt – Ja/Nein, Gründe?
  • Was soll ich antworten, wenn Personen aus meiner nächsten Umgebung sagen: «Hör doch endli uf nogrüble» oder «Mach doch endli en Strich drunter»? Gibt es auf solche Äusserungen nachvollziehbare Antworten?
  • Möchte im Gespräch mit anderen Betroffenen herausfinden, ob ein Gesuch um finanzielle Genugtuung Sinn macht. Es geht um den Wiedergutmachungsfonds für Opfer von verjährten Sexualstraftaten im kirchlichen Umfeld, der von der Schweizer Bischofskonferenz 2016 eingerichtet wurde. Gibt es dadurch eine innerlich Veränderung, und wenn ja, was?

Auch nach vielen Jahren erleben Betroffene immer wieder neue Verletzungen durch Äusserungen oder Verhaltensweisen, wie zum Beispiel:

  • wenn die Glaubwürdigkeit angezweifelt wird
  • wenn Unterstellungen vorgeworfen werden
    (finanzieller oder moralischer Art)
  • wenn Fälle bagatellisiert oder als längst Vergangenes hingestellt werden
  • wenn von Mitschuld gesprochen oder sie auch nur angedeutet wird
  • wenn im Familien- oder näheren Bekanntenkreis geäussert wird:
    «Ich will nichts mehr davon hören, es interessiert mich nicht.»
  • wenn sich Personen aus dem Täterkreis der Auseinandersetzung mit dem Thema verweigern

Solche und viele weitere Situationen sind für Betroffene häufig nur schwer zu ertragen. Sie behindern das Vorwärtskommen während der Verarbeitungsphase. Darum werden auch diese aktuellen Erlebnisse in der Selbsthilfegruppe thematisiert.

Was wollen wir?

Ziele der Selbsthilfegruppe

Der Austausch in der Selbsthilfegruppe soll ermöglichen, das Geschehene zu verarbeiten und einen individuell geeigneten Umgang damit zu finden, um trotzdem eine gute Lebensqualität für sich zu entdecken. Der gemeinsame Weg aus der Opferrolle, das Überwinden von Schweigen und Scham sowie das Zulassen von Emotionen sollen dazu beitragen, dass wieder Vertrauen für die Zukunft gefasst werden kann.

  • Wir wollen Betroffenen Mut machen weitere Verarbeitungsschritte auszuprobieren!
  • Wir wollen uns austauschen um neue Verarbeitungsstrategien zu entdecken!
  • Wir wollen nicht mehr schweigen, weil wir überzeugt sind, dass Reden hilft!
  • Wir wollen uns gemeinsam unterstützen im Sinne von «Betroffene helfen Betroffenen»!
  • Wir verpflichten uns für gegenseitigen Respekt und absolute Vertraulichkeit!
  • Wir wollen von kirchlichen Stellen wahr- und ernst genommen werden!
  • Wir wollen auch einen Beitrag zur Prävention leisten!

Wir sind keine Therapeuten und unsere Selbsthilfegruppe ersetzt keine Therapie! Wir verstehen uns als sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehenden Angeboten seitens kirchlicher Stellen, Opferorganisationen und unterschiedlichsten therapeutischen Institutionen. Adressen und Vermittlung zu weiterführenden Therapien, Opferhilfestellen usw.